Eine individuelle Multi-Asset-Lösung: Philipp Finter erklärt im Interview, wie HQ Asset Management die Assetklassen steuert, wie Risiken reduziert werden – und was sich Kunden bei HQAM alles wünschen können.

Herr Dr. Finter, nun bietet also auch HQAM Multi-Asset-Lösungen an …
(lacht) Ich ahne, worauf Sie hinauswollen. Ein weiterer Anbieter am Markt. Aber in unserem Fall ist das sinnvoll und bringt dem Kunden Mehrwert: HQAM gibt es zwar erst seit gut zwei Jahren, aber wir arbeiten in dieser Teamkonstellation bereits seit mehr als zehn Jahren erfolgreich zusammen. Wir konnten also einen großen Erfahrungsschatz in die neue Produktlandschaft einbringen.

Also kein „Me too“?
Nein. Wir waren bei HQAM in der glücklichen Situation, dass wir auf der grünen Wiese starten und unsere Infrastruktur speziell mit Ausrichtung auf unseren Investmentansatz bauen konnten. Das versetzt uns in die Lage, modernste quantitative Verfahren in unseren Investmentprozessen einsetzen zu können, die sehr viel Rechenleistung benötigen. Was wir hier machen, wäre mit der IT-Infrastruktur eines traditionellen deutschen Vermögensverwalters gar nicht darzustellen. Unsere technologisch fortschrittliche Investmentplattform ist außerdem die Basis für die Entwicklung sehr individueller Lösungen für unsere Kunden. Dies betrifft sowohl die generelle Ausrichtung des Konzepts, also Benchmark oder Total Return, aber auch das Rendite-Risiko-Profil, die Auswahl der Assetklassen oder diverse weitere Strategieparameter.

Welche Assetklassen sind in Ihren Multi-Asset-Produkten enthalten?
Sie finden in unseren Produkten alle gängigen liquiden Assetklassen: Also Aktien, Anleihen und Rohstoffe, aber auch liquide Alternatives, wozu bei uns vor allem Hedgefonds zählen. Auf Grundlage der Strategischen Asset-Allokation nehmen wir dann die aktive, taktische Steuerung der Assetklassen vor.

Wie gehen Sie konkret vor?
Sofern es kundenseitig nachgefragt wird, steht am Anfang die langfristige Verteilung des Vermögens auf die gewünschten Assetklassen, also die Konzeption der Strategischen Asset-Allokation. Häufig haben unsere Kunden hier schon sehr konkrete Vorstellungen, so dass auf diesen initialen Schritt in der Prozesskette verzichtet werden kann. Aber wenn dem nicht so ist, starten wir zur Bestimmung der Strategischen Asset-Allokation mit der Berechnung unserer langfristigen Rendite- und Risikoprognosen für die Assetklassen. HQAM verfügt über eine proprietäre Modellwelt, die diese Prognosen generiert. Wir kennen übrigens auch die Situation, dass Kunden hier ihre eigenen Erwartungen in den Prozess einbringen. Auf Basis der Rendite- und Risikoerwartungen simulieren wir anschließend Kursverläufe für die einzelnen Assetklassen, die wir zu zahlreichen Kapitalmarktszenarien zusammenfassen. Konkret generieren wir beispielsweise 1.000 mögliche künftige Kapitalmarktszenarien und rechnen für jedes Szenario eine gesonderte Optimierung. Diese 1.000 Optimierungsergebnisse mitteln wir und haben am Ende die optimale Gewichtung für das Portfolio.

1.000 Szenarien? Ist das nicht übertrieben?
Das ist zwar etwas rechenintensiv, aber das Vorgehen hat Vorteile. Zum einen vermeiden wir die typischen Ecklösungen, wie sie bei einer einmaligen Optimierung auftreten können, zum anderen kommen wir auf diesem Weg zu einem weicheren Übergang von Risikoklasse zu Risikoklasse. Denn die Zusammensetzung eines Portfolios sollte sich ja nicht signifikant verändern, wenn der Kunde das Zielrisiko des Mandates beispielsweise von 7% p.a. auf 7,5% p.a. anheben möchten.

Welche Bausteine folgen als nächste?
Wir unterscheiden zwischen zwei Bausteinen zur taktischen Steuerung der Assetklassen im Portfolio. Unser HQAM Chancen-Overlay zielt auf Mehrertrag, das HQAM Risiko-Overlay setzen wir zur Risikosteuerung ein.

Lassen Sie uns mit dem Chancen-Overlay beginnen …
Gerne. Ausgangspunkt dabei ist die Strategische Asset-Allokation des Mandats. Diese determiniert in aller Regel im Kern, welche taktischen Entscheidungen überhaupt getroffen werden. Dazu gehört beispielsweise die klassische Entscheidung der Gewichtung von Aktien, Renten und anderen Anlageklassen. Erst danach geht es um die Details der Allokation innerhalb der Assetklassen wie etwa: Soll ich aktuell Aktien der Schwellenländer übergewichten oder lieber Aktien der Industrieländer? Über Derivate lassen sich auch taktische Entscheidungen für Assetklassen in das Mandat einbringen, die nicht Teil der Strategischen Asset-Allokation sind. Unter Diversifikationsaspekten raten wir generell dazu, das zu tun.

Wie kommen Sie zu diesen Entscheidungen?
Wir haben für jede Entscheidungen eine eigene Modellwelt aufgebaut. Häufig setzen wir auch auf konkurrierende Verfahren, um uns über den Einsatz unterschiedlicher Methoden zu diversifizieren. In die Modelle gehen sowohl technische als auch fundamentale Informationen ein.

Wie berücksichtigen Sie die Risiken?
Unter anderem im Rahmen des HQAM-Risiko-Overlays. Dessen Grundidee ist relativ einfach: Wir machen für das Portfolio tägliche Risikoprognosen. Diese Prognosen werden dann ins Verhältnis gesetzt zum langfristigen Risiko des Portfolios. Und immer dann, wenn ein vorab definierter Schwellenwert überschritten ist, geht das Portfolio in die Sicherung.

Das heißt, die „Risky Assets“ werden abgebaut?
Richtig, gemäß eines vorabdefinierten Hedgeplans. So ein Schwellenwert könnte beispielsweise erreicht sein, wenn das kurzfristige Risiko doppelt so hoch ist wie das langfristige. Wir gehen wieder sukzessive in den Markt, wenn sich das kurzfristige wieder dem langfristigen Risiko annähert. Wie schnell man wieder investiert, kann der Kunde aber auch selbstständig entscheiden, da sind wir flexibel.

Was bringt das Ganze?
Historische Rückrechnungen zeigen, dass ein Portfolio mit Risiko-Overlay deutlich bessere Risikoeigenschaften aufweist. Vor allem gibt es eine signifikante Verbesserung mit Blick auf den Maximum Drawdown.

Wie wählen Sie die Einzeltitel für das Portfolio aus?
Unsere Selektionsprozesse haben für sich genommen alle das Ziel, eine Outperformance gegenüber den jeweiligen Benchmarks aus der Strategischen Asset-Allokation zu erzielen. Aktienseitig setzen wir auf ein Verfahren aus dem Bereich des Maschinellen Lernens. Analysiert werden hunderte aktienrelevante Kennzahlen, am Ende steht ein Score für jede Aktie – eine Art Schulnote. Diese Scores kombinieren wir dann mit den Schätzungen des Aktienrisikomodells, anschließend führen wir eine Portfoliooptimierung durch.

Und auf der Rentenseite?
Da geht es zunächst einmal darum, mit möglichst wenigen Anleihen die Benchmark abzubilden, was aber nicht heißt, dass der Kunde hier keinen Mehrertrag gegenüber der Benchmark erwarten kann. Die systematische Teilnahme an Neuemissionen kann ein paar zusätzliche Basispunkte einbringen. Aber das eigentliche Alpha erzielen wir über die dynamische Steuerung der Duration und des Kreditrisikos.

Was geschieht, wenn ein Kunde ein reines ETF-Portfolio haben möchte?
Das ist problemlos darstellbar. Grundsätzlich werden die für ein Multi-Asset-Portfolio zur Verfügung stehenden Strategiebausteine je nach Problemstellung und Wunsch des Kunden unterschiedlich gewichtet, wobei auch ein Gewicht von null möglich ist. Bei einem reinen ETF-Portfolio würden wir auf den Baustein Einzeltitelselektion verzichten und eine maßgeschneiderte Multi-Asset-Strategie mit den Bausteinen Strategische Asset-Allokation, Chancen-Overlay und Risiko-Overlay konstruieren.

Das heißt, der Kunde kann sich alles wünschen?
Nicht alles, aber doch so einiges. Wir sind in der Lage Kundenwünsche sehr passgenau und individuell abzubilden. Wenn kundenseitig beispielsweise Alternative Investments berücksichtigen werden sollen, oder Nachhaltigkeitsaspekte oder Ausschüttungen im Fokus stehen – das bekommen wir hin.

Zum Interviewten

Dr. Philipp Finter arbeitet als Executive Partner im Research bei HQ Asset Management (HQAM) in Düsseldorf. Der promovierte Volkswirt ist Spezialist für die Entwicklung quantitativer Investmentstrategien im Asset Management und verfügt über langjährige Erfahrung bei der aktiven Steuerung großer Vermögen.

Zu HQ Asset Management

HQAM gehört zu den Finanzdienstleistern der Familie Harald Quandt. Das Unternehmen bietet einen klaren Fokus auf quantitatives Asset Management für institutionelle und semi-institutionelle Anleger. Kunden sind Banken und Versicherungen ebenso wie Pensionskassen und Stiftungen. Maßgeschneiderte Portfolios stehen bei den Lösungsansätzen stets im Vordergrund.

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Bitte beachten Sie:
Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Die Darstellung ist keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite dienen lediglich der Information.

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Dr. Philipp Finter
Executive Partner
HQ Asset Management
Dr. Philipp Finter arbeitet als Executive Partner im Research bei HQ Asset Management (HQAM) in Düsseldorf. Der promovierte Volkswirt ist Spezialist für die Entwicklung quantitativer Investmentstrategien im Asset Management und verfügt über langjährige Erfahrung bei der aktiven Verwaltung großer Vermögen.
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Eine individuelle Multi-Asset-Lösung: Philipp Finter erklärt im Interview, wie HQ Asset Management die Assetklassen steuert, wie Risiken reduziert werden – und was sich Kunden bei HQAM alles wünschen können.