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Frankfurter Allgemeine Zeitung | 27. April 2019
"Wolfgang Leoni ist zurück - und besinnt sich auf seine Wurzeln"

Neues Team für quantitative Analysen in Düsseldorf

re. FRANKFURT, 26. April. Als Wolfgang Leoni im Frühjahr 2017 den Vorstandsvorsitz des Bankhauses Sal. Oppenheim aufgab, strebte er keine Führungsposition in einem Finanzunternehmen mehr an. Ein paar Mandate wolle Leoni noch wahrnehmen und ansonsten Dinge tun, die er in seiner aktiven Zeit vernachlässigen musste: mehr Zeit mit der Familie verbringen, mehr Bücher lesen und häufiger Golf spielen. Doch dann erhielt Leoni einen Anruf eines alten Weggefährten; und nun leitet Leoni die zur Finanzgruppe Harald Quandt gehörende neue Tochtergesellschaft HQ Asset Management. Deren Ziel ist es, institutionellen Anlegern "quantitatives, global orientiertes Portfoliomanagement im Bereich liquider Geldanlagen zugänglich" zu machen, wie es offiziell heißt.

Für Leoni ist dies im Herbst seiner Karriere eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Denn die auf Zahlen gestützte Analyse von Kapitalmärkten beschäftigt ihn seit seiner Doktorarbeit. Später hat er sich dieser Form der Kapitalmarktanalyse auf mehreren beruflichen Stationen, darunter dem Bankhaus Metzler, der Bank in Liechtenstein, der Deka Bank und bei Sal. Oppenheim verschrieben. Profitiert hat die quantitative Analyse im Laufe der Zeit von der atemberaubenden Entwicklung der Informationstechnologie, die heute eine sehr präzise Analyse auch sehr großer Datenmengen, wie sie an den Finanzmärkten immer wieder neu entstehen, gestattet. Mittlerweile hat Leoni ein Team von rund einem Dutzend Spezialisten vereinigt, von denen die Mehrzahl früher bei Sal. Oppenheim gearbeitet hat. Ihre Büros befinden sich nicht am Heimatsitz der Finanzgruppe Harald Quandt in Bad Homburg, sondern in Düsseldorf. Das Durchschnittsalter des Teams beträgt 40 Jahre.

Das Ziel quantitativer Analysen besteht darin, eine überdurchschnittlich hohe Rendite zu erzielen; Fachleute sprechen von "Alpha". Hierzu werden mit spezialisierten Algorithmen große Datenmengen untersucht, um anormale Bewertungen an Finanzmärkten zu identifizieren, die dann mit spezialisierten Anlagestrategien ausgenutzt werden sollen. Leoni zählt fraglos zu den Pionieren dieser Form der Kapitalmarktanalyse in der deutschen Finanzbranche, aber er ist nicht der Einzige, der sich ihr verschrieben hat. Die Anbieter quantitativer Analyseverfahren stehen in einem harten Wettstreit, der keinen Stillstand duldet - weder in der Nutzung der Analysetechniken noch im Produktangebot. Garantierte Renditen gibt es auch bei dieser Form der Kapitalmarktanalyse nicht.

Nunmehr hat Leoni für seinen neuen Arbeitgeber ein erstes Produkt entwickelt, das institutionellen Investoren ebenso wie Privatanlegern angeboten werden soll. Der Fonds "HQAM Global Equities DM4EM" richtet sich an Anleger, die langfristig an eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung von Schwellenländern glauben, aber nicht an den Finanzmärkten der Schwellenländer unmittelbar investieren wollen, weil viele dieser Märkte wenig liquide sind und die Währungen von Schwellenländern oft Kapriolen schlagen. Die Grundidee Leonis lautet, die Wirtschaft der Schwellenländer über ein Portfolio von Unternehmen aus Industrienationen möglichst genau abzubilden.

Rechnet man den neuen Fonds auf der Basis von Vergangenheitsdaten bis zum Jahre 2003 zurück, zeigt er eine annualisierte Rendite, die mit 10,8 Prozent in etwa auf dem Niveau der annualisierten Rendite des MSCI-Index für Schwellenländer liegt, aber deutlich geringere Schwankungen im Zeitablauf ausweist. Wie immer bei solchen Rechnungen gilt aber: Vergangene Rendite können nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden. Zukünftige Renditen lassen sich nun einmal nicht prognostizieren.

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Ansprechpartner
Jochen Mörsch

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