Herr Dr. Leoni, warum setzt die HQ-Gruppe auf einen Asset Manager, der institutionelle Kunden im Fokus hat?
Leoni: Das institutionelle Geschäft wächst außerordentlich dynamisch: Der Markt für Spezialfonds für institutionelle Anleger legte seit 2008 um rund 10 % zu pro Jahr. Im Wealth Management wachsen die Vermögen lediglich um 4-5%.

Halten diese hohen Wachstumsraten auch in Zukunft an, Herr Dr. Edler?
Edler: Im Asset Management wird eine immer größere Spezialisierung gefordert. Das Outsourcing nimmt seit Jahren zu, auch weil das Kapitalmarktumfeld professionelles Know-how erforderlich macht: Lange Jahre konnten Anleger mit einer nahezu beliebigen Mischung von Aktien und Renten auskömmliche Renditen verdienen. Doch diese Zeiten sind vorbei und es spricht viel dafür, dass sich die Situation so schnell nicht ändert.
Leoni: Hinzu kommt die wachsende Bedeutung der zweiten Säule bei der Altersvorsorge, die betriebliche Altersversorgung wird immer beliebter. Hier steigt das Netto-Mittelaufkommen besonders stark an.

Was sind typische Kunden von HQ Asset Management?
Edler: Unsere Kunden sind institutionelle und semi-institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen sowie Family Offices.

Warum ist Quantitatives Portfoliomanagement für diese Zielgruppe interessant?
Leoni: Quantitatives Investieren kann viele Vorteile bringen. Beispielsweise in der Informationsverarbeitung. Über viele Jahre war eines der Hauptprobleme bei der Geldanlage die Informationsbeschaffung. Lediglich eine überschaubare Menge an Informationen war öffentlich verfügbar. Fondsmanager fuhren daher regelmäßig zu den Unternehmen, um in Gespräche mit den Vorständen Neues zu erfahren. Dieses Wissen wurde dann subjektiv durch Portfoliomanager verarbeitet.

Und heute ist das Problem die enorme Masse an Informationen, der Information Overkill?
Leoni: In der Tat. Es gibt heute viel mehr Informationen, ein deutlich größeres Anlageuniversum sowie komplexere Instrumente für die Geldanlage. Das kann ein Fondsmanager kaum noch aufnehmen und verwerten. Und wegen der Regulierung sind Hintergrundgespräche mit Vorständen nutzlos geworden. Sie dürfen keine Informationen mehr verraten.
Edler: Zudem gibt es Vorteile in der objektiven Informationsbeurteilung. Kapitalmärkte sind nicht immer rational und effizient. Das heißt, es geht bei Quant darum, Ineffizienzen am Markt zu nutzen und dabei irrationales Verhalten – Stichwort Behavioral Finance – und hohe Transaktionskosten zu vermeiden.
Leoni: Ein weiterer Quant-Vorteil ist die Nachvollziehbarkeit der Anlageentscheidungsprozesse. Diese sind theoretisch und wissenschaftlich fundiert, empirisch validiert, transparent und personenunabhängig. Da gibt es kein Bauchgefühl, das entscheidet. Wir arbeiten mit eigenständigen Modellen, die unabhängig von Fremdresearch sind.

Wie funktioniert das Quantitative Portfoliomanagement genau?
Edler: Beginnen wir mit dem Research. Hier werten quantitative Manager mit computergestützten Algorithmen große Datenvolumen aus und decken so ein breites Spektrum von Wertpapieren ab. Ihr Ziel ist es, theoretisch fundierte, regelbasierte, computergestützte Modelle zu entwickeln, die Risiko- und Renditeprognosen generieren.
Leoni: Bei der Portfoliokonstruktion dreht sich alles um die simultane Betrachtung von Ertrag und Risiko. Ziel ist hier die Maximierung risikoadjustierter Erträge nach Kosten sowie eine gut diversifizierte Portfoliostruktur ohne Klumpenrisiken.

Wenn es um computergestützte Algorithmen geht, spielt dann der Mensch keine Rolle mehr?
Leoni: Ganz im Gegenteil. Der Mensch programmiert die Maschine. Und das Programm kann nur so gut sein, wie der Mensch, der es programmiert.
Edler: Daher verfügt unser Team auch über eine sehr gute Ausbildung: Es besteht aus Betriebswirten, Volkswirten, Informatikern, Mathematikern und Statistikern. Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit vielen Jahren zusammen und haben eine langjährige praktische Erfahrung im Research, Portfoliomanagement und der Kundenbetreuung.
Leoni: Zudem setzen wir auf schnelle Entscheidungswege und flache Hierarchien. Das Team ist dadurch in der Lage neue Erkenntnisse, beispielsweise aus der Forschung, schnell anzuwenden und für den Kunden nutzbar zu machen.

Neben dem Team: Was zeichnet HQ Asset Management noch aus?
Edler: Wir haben sowohl für Einzelaktien als auch für Assetklassen und eine Vielzahl von Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkten sehr gute Research-Prozesse und quantitative Prognosemodelle, die eine hohe Diskriminierungskraft haben, gute Investments von weniger guten zu unterscheiden.
Leoni: Zudem sind wir in der Lage anhand unserer Research-Ergebnisse vollkommen unterschiedliche Portfolios zu konstruieren. So können wir zum Beispiel im Bereich der Aktieneinzeltitel Portfolien bauen, die sich an einer Benchmark wie einem Marktindex orientieren …

… also long-only-Portfolien ...
Leoni: … wir können aber auch Portfolien konstruieren, die benchmarkfrei sind, also long/short oder marketneutral. Wir nennen das „quantitative portfolio engineering“. Dadurch sind wir in der Lage dem Kunden maßgeschneiderte Portfoliostrukturen zu liefern.

Das Unternehmen heißt HQ Asset Management: Welche Rolle spielt bei Ihrer Arbeit der Name Harald Quandt?
Edler: Eine große! Wir leben in unserer Tagesarbeit die Werte, die der Familie sehr wichtig sind: Diskretion und Vertrauen sowie hohe Individualität und Kundenorientierung.
Leoni: In der Tradition der Familie agieren wir sehr langfristig orientiert und nachhaltig. Das Unternehmen ist kapitalstark und bankenunabhängig.

Wie wichtig ist die Unabhängigkeit von Banken aus Kundensicht?
Edler: Enorm wichtig. Eine aktuelle Studie dreier US-Professoren zeigt die Auswirkungen auf die Performance: Bei ihrer Auswertung, die einen Zeitraum von 10 Jahren umfasste, übertrafen die bankunabhängigen Fonds die abhängigen um 92 Basispunkte – pro Jahr.

Zu den Interview-Teilnehmern

Dr. Wolfgang Leoni ist Geschäftsführer von HQ Asset Management (HQAM) in Düsseldorf. Der promovierte Volkswirt zählt in Deutschland zu den Pionieren quantitativen Asset Managements. Er verfügt über langjährige Erfahrung im aktiven Portfoliomanagement auf Basis quantitativer Verfahren, im Risikomanagement und der Konzeption innovativer und nachhaltig performenden Investmentkonzepte.

Dr. Lars Edler ist Geschäftsführer und CIO von HQ Asset Management (HQAM) in Düsseldorf. Der promovierte Volkswirt ist Spezialist für quantitative Verfahren im Asset Management und verfügt über langjährige Erfahrung bei der aktiven Steuerung großer Vermögen institutioneller Investoren sowie wohlhabender Privatkunden.

Zu HQAM

HQAM gehört zu den Finanzdienstleistern der Familie Harald Quandt. Das Unternehmen bietet einen klaren Fokus auf quantitatives Asset Management für institutionelle und semi-institutionelle Anleger. Kunden sind Banken und Versicherungen ebenso wie Pensionskassen und Stiftungen. Maßgeschneiderte Portfolios stehen bei den Lösungsansätzen stets im Vordergrund.

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Jochen Mörsch
Leiter Interne & Externe Kommunikation
HQ Asset Management
Inhalt
Wolfgang Leoni und Lars Edler über Quantitatives Portfoliomanagement, die Besonderheiten von HQ Asset Management (HQAM) – und die Vorteile von Bankenunabhängigkeit.
Inhaltsverzeichnis
  1. Zu den Interview-Teilnehmern
  2. Zu HQAM
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